Welthospiztag 6. Oktober 2007: Gemeinsame Stellungnahme von OPG und Österreichischer Ärztekammer
Ärztekammer und Palliativgesellschaft fordern Ausbau der Hospizbetreuung:
Utl.: "Nicht durch die Hand eines Menschen, sondern an der Hand eines Menschen sterben"
Wien (OTS) – Die bereits vor Jahren durch das ÖBIG erstellten Konzepte zur ambulanten und stationären Betreuung von unheilbar kranken Menschen in Österreich sind bislang nur teilweise umgesetzt worden. Zu dieser ernüchternden Bilanz kommen Ärztekammer und Österreichische Palliativgesellschaft in einer gemeinsamen Aussendung anlässlich des Welt- Hospiztages am 6. Oktober 2007. Beide Institutionen fordern nun den flächendeckenden Ausbau der Palliativ- und Hospiz- Versorgung in Österreich sowie eine Aufwertung der Palliativmedizin. ****
Wesentlich in der Betreuung von Palliativpatienten ist die Lebensqualität bis zuletzt unter Einbindung der Angehörigen. "Heute stehen moderne Behandlungsmethoden zur Verfügung, mit denen selbst stärkste Schmerzen wirksam gelindert werden können", betont dazu die Generalsekretärin der Österreichischen Palliativgesellschaft, Michaela Werni. Jahrzehntelange Erfahrungen in Hospizen und Palliativeinrichtungen hätten gezeigt, dass unheilbar kranke Menschen, die nicht an Schmerzen litten und sich begleitet fühlten, am Lebensende nicht nach der Todesspritze verlangten, sondern bis zuletzt leben wollten.
Die Thematik der Begleitung von sterbenden Patienten gewinne auch für die Ärzteschaft immer mehr an Bedeutung, ergänzt Ärztechef Dorner: "Seit 1999 werden von der Österreichischen Palliativgesellschaft Lehrgänge für Palliativmedizin zur Weiterbildung für Ärztinnen und Ärzte angeboten, die seither auf ungebremstes Interesse stoßen." Andere Anbieter würden nachfolgen, auch universitäre Abschlüsse seien bereits möglich. Seit 2002 verleihe die Österreichische Ärztekammer den Absolventen dieser Lehrgänge zudem ein ÖÄK-Diplom für Palliativmedizin. Anzudenken sei weiters ein eigenes Zusatzfach "Palliativmedizin", so Dorner.
Zwtl.: Mindeststandards werden unterschritten
Die Einrichtung von Palliativstationen, Hospizen und Mobilen Teams zur Versorgung von unheilbar kranken Menschen liegt in der Kompetenz der Länder. "Die in den ÖBIG-Konzepten geforderten Mindeststandards sind aber in Gefahr, weit unterschritten zu werden", kritisiert Franz Zdrahal, der Präsident der Österreichischen Palliativgesellschaft.
Da der Aufenthalt für Patienten auf Palliativstationen mit drei Wochen begrenzt sei, fehlten derzeit vor allem stationäre Hospize zur längerfristigen Betreuung. Zdrahal: "In Wien etwa gibt es derzeit fünf Palliativstationen, jedoch kein einziges stationäres Hospiz." Hier sei die Politik aufgerufen, rasch entsprechende Ressourcen zur Verfügung zu stellen.
Zwtl.: Rechtsanspruch auf palliative Versorgung gefordert
Palliativmedizin steht für ein würdevolles und selbst bestimmtes Lebensende, ohne Verlängerung des Sterbeprozesses durch sinnlose Untersuchungen und Behandlungen. Sie lehnt die Tötung von Menschen durch den Arzt aber entschieden ab. Für den Präsidenten der Caritas-Wien, Michael Landau, ist dies gleichbedeutend mit "nicht durch die Hand eines Menschen, sondern an der Hand eines Menschen sterben".
Die Caritas hat im vergangenen Jahr 1300 schwer kranke und sterbende Menschen sowie ihre Angehörigen mit ihren mobilen Hospizteams in Wien und Niederösterreich betreut. Landau fordert nun einen Rechtsanspruch auf ambulante palliative Versorgung, der ins Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz aufgenommen werden sollte. Der Caritas-Präsident verweist dabei auf Deutschland, wo das in diesem Jahr via Sozialgesetzbuch bereits geschehen sei. "Ähnliches erwarte ich mir nun auch für Österreich", so Landau. (hpp)
(S E R V I C E - Am 6. Oktober 2007 wird weltweit der "Welt-Hospiz- und Palliativ-Tag" begangen. In Österreich finden dazu viele Veranstaltungen statt, die über die Möglichkeiten der Betreuung in der letzten Lebensphase informieren. Mit Vorträgen, Diskussionen, Filmen, Konzerten, Lesungen und Ausstellungen in verschiedenen Hospiz- und Palliativeinrichtungen wird versucht, das Thema "Sterben" zu enttabuisieren, und aufzuzeigen, dass eine qualifizierte Lebensbegleitung bis zuletzt notwendig ist, um der Diskussion nach Legalisierung der aktiven Sterbehilfe entgegenzutreten.)
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