Kongress 2011


Der 3. Österreichische interdisziplinäre Palliativkongress fand vom 08. – 10. Dezember 2011 in Klagenfurt statt. Es wurden Vortragssitzungen in Zusammenarbeit mit Hospiz Österreich, Österreichische Gesellschaft für Geriatrie & Gerontologie, Österreichische Schmerzgesellschaft, Österreichische Gesellschaft für Hämatologie & Onkologie, Österreichische Gesellschaft für Anaesthesiologie, Reanimation und Intensivmedizin durchgeführt.

„Vom richtigen Zeitpunkt – Palliative Care“, zu diesem Leitgedanken wurden Vorträge zu ausgewählten Themenbereichen, wie

  • Schmerztherapie
  • Notfall/Intensiv
  • Ressourcen für Palliative Care
  • Extramurale Palliative Care
  • Forschung und Ethik
  • Palliative Care und Onkologie und Geriatrie

gehalten, die den neuesten Stand der wissenschaftlichen Erkenntnissen  auf dem Gebiet der Palliativ Care vermittelten. Zusätzlich wurde auch den interprofessionellen Aspekten der gemeinsamen Arbeit aller mit Palliative Care befasster Institutionen breiter Raum gegeben. So konnten wir auf dem Kongress ÄrztInnen, Pflegende, SozialarbeiterInnen, PsychologInnen begrüßen. Neben den wissenschaftlichen Vorträgen wurden Praktika zu folgenden Themen veranstaltet:

  • Ethische Entscheidungen in der palliativen Geriatrie an Fallbeispielen
  • Das kleine ABC der Symptomenkontrolle
  • Ist Kindern und Jugendlichen die Begegnung mit dem Tod zumutbar? Wie wir Kinder von schwerkranken und sterbenden Menschen unterstützen können
  • Traditionelle Heilung im Kulturvergleich
  • Gut – Besser – Team: Das Palliativteam, der entscheidende Qualitätsfaktor
  • Hospizkultur und Palliative Care in Alten- und Pflegeheimen – Organisationsentwicklung und Fortbildung in palliativer Geriatrie
  • „Breaking bad news“ – Training kommunikativer Fertigkeiten im Rollenspiel mit Schauspielpatienten
  • „SPIR“ – Die Praxis des spirituellen Interviews

Diese Praktika waren durchwegs ausgebucht und hatten eine ausgezeichnete Resonanz von den Teilnehmern.

Darüber hinaus wurden erstmals ein Workshop und ein Symposium in Zusammenarbeit mit dem Dachverband Hospiz Österreich organisiert. Die Präsidentin des Dachverbandes Hospiz Österreich, Frau Waltraud Klasnic, war selbst anwesend und begrüßte diese Zusammenarbeit als richtungweisend für die Zukunft von OPG und Hospiz Österreich. Von Hospiz Österreich erhobene Daten zeigen, dass derzeit 252 Einrichtungen im Bereich der Hospiz- und Palliativarbeit tätig sind. 2010 haben 1.466 hauptamtliche und 3.055 ehrenamtliche Mitarbeiter Schwerkranke, Sterbende und deren Angehörige begleitet und betreut. Auch eine weitere wichtige Institution auf dem Gebiet der Palliative Care,  das IFF (Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung), war durch Univ. Prof. Mag. Dr. Andreas Heller (Lehrstelle für Palliative Care und Organisations Ethik) auf dem Kongress vertreten, der in seinem Vortrag die  Anforderungen an Palliative Care in der Zukunft beleuchtet.

Schließlich präsentierte der Präsident der Österreichischen Palliativgesellschaft, Herr Univ. Prof. Dr. Herbert Watzke, die „Petition Palliative Care“, die von der OPG in Kooperation mit Hospiz Österreich erstellt wurde und auf die äußerst schleppende Umsetzung der Palliative Care in Österreich aufmerksam machen soll. Sie enthält folgende  vier Forderungen, die bereits am Kongress von über 200 Personen unterschrieben wurden.

Die vier Hauptforderungen sind:

  1. Ich trete dafür ein, dass jeder Mensch bis zuletzt in Würde leben und kompetent betreut sterben kann.
  2. Das Leben von schwerkranken und sterbenden Menschen darf nicht gegen ihren Willen verlängert werden. Das geltende Verbot von aktiver Sterbehilfe muss erhalten bleiben.
  3. Ich trete für einen weiteren Ausbau der Fort- und Weiterbildung in Palliative Care ein, der vor allem auch die Etablierung eines Facharztes für Palliative Medizin miteinschließt.
  4. Ich trete dafür ein, dass die interdisziplinäre Forschung in Palliative Care weiterentwickelt wird, um die Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen weiter zu verbessern.

Der Kongress zeichnete sich auch durch ein hohes wissenschaftliches Niveau aus. Neben den Vorträgen wurden 30 Beiträge als Poster eingereicht. Die 3 bestbewerteten Arbeiten wurden in unsere wissenschaftlichen Sitzungen aufgenommen und mit € 300,- honoriert.

Die drei Arbeiten waren:

Der richtige Zeitpunkt? Wann werden Palliativkonsiliardienste in die Betreuung von Patienten miteinbezogen?
M. Pratter; J. Neger. H. Ebner, M. Walkner, V. Stepan, Graz
Cannabinoide in der Palliativmedizin
A. Passini, H. Kainz, N. Rapp, K. Gruber, Ch. Tinchon
Thromboprophylaxis in palliative care patients with cancer: A multicenter prospective, cross-sectional analysis of current practice in palliative care units
V. Gartner, K. A. Kierner, A. Namjesky, B. Kum-Taucher, A. Henry, C. Stabel, B. Hammerl-Ferrari, H. Watzke, Wien

Weiters konnte auch das erste Mal der Hans Georg Kress-Preis vergeben werden für die Arbeit:
Biomarkers as indicators for pain perception and treatment response
G. Hofmann, S. Bitsche, I. Osprian, J. Verebes, A. Greimel, W. Schippinger, N. Dandachi, H. Samonigg, E. Heitzer

Zusammenfassend konnte der Kongress Zeichen der Vernetzung der Organisationsstrukturen in Österreich zeigen, dass nur der gemeinsame Weg zum Ziel führt. Den Teilnehmern wurde auch ein Blick über die Grenzen verschafft, sowohl durch Referenten aus Kroatien wie Frau Dr. Marijana Bras, die das Palliative Care Konzept in Kroatien aufbaut, als auch Referenten aus dem deutschen Sprachraum, welche durch hoch qualitative Vorträge präsent waren. Es besteht eine ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen der Österreichischen und Deutschen Palliativgesellschaft, die auch durch die Präsenz von Herrn Prof. Dr. med. Friedemann Nauck (Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin) untermauert wurde.

Hier können Sie einige Eindrücke vom Kongress gewinnen, die Dr. Johann Baumgartner sehr stimmungsvoll mit seiner Kamera eingefangen hat, vielen Dank!