Wissenschaftspreis 2026
Für den Wissenschaftspreis, der im Rahmen des OPG-Kongresses vergeben und mit 1.000 € dotiert wurde, gingen zehn Einreichungen ein.
Die Jury setzte sich aus Univ.-Prof.in Dr.in Christine Marosi, Univ.-Prof.in Dr.in Piret Paal, Univ.-Prof.in Dr.in Sabine Pleschberger, MPH, sowie Univ.-Doz. Dr. Matthias Unseld, MSc, PhD, zusammen. Wir danken den Jurymitgliedern für ihr Engagement und ihre sorgfältige Auswahl; sie bestimmten Dr. Le Nguyen-Son vom Universitätsklinikum Krems zum Preisträger - wir gratulieren herzlich!
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendung systemischer Tumortherapie am Lebensende und deren Zusammenhang mit palliativmedizinischer Versorgung. Die Originalarbeit wurde im international renommierten Journal ESMO Open publiziert.
Link: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39214050/
Systemische Tumortherapien (SACT) werden trotz internationaler Empfehlungen weiterhin häufig am Lebensende eingesetzt, obwohl ihr Nutzen begrenzt ist und potenzielle Nebenwirkungen die Lebensqualität beeinträchtigen. Dies beeinflusst die Qualität der palliativmedizinischen Versorgung.
Ziel der Studie war es, relevante Einflussfaktoren auf den Einsatz von SACT am Lebensende zu analysieren, insbesondere die Rolle der spezialisierten Palliativversorgung bei Therapieentscheidungen von Patient:innen mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen.
Die retrospektive Studie wurde am Universitätsklinikum Krems durchgeführt und umfasste 685 Patient:innen mit soliden Tumoren, die zwischen 2017 und 2021 verstarben, mit Fokus auf SACT am Lebensende.
342 (49,9%) Patient:innen erhielten eine SACT, davon 143 (20,9%) innerhalb der letzten 30 Tage vor Lebensende. Dies war signifikant assoziiert mit modernen Therapieformen (zielgerichtete Therapien, Immuncheckpoint-Inhibitoren), einem ECOG-Status ≥2 sowie fehlender spezialisierter palliativmedizinischer Betreuung.
Die Ergebnisse zeigen eine hohe Frequenz von SACT am Lebensende und weisen auf eine Diskrepanz zwischen onkologischer Praxis und palliativer Zielsetzung hin. Eine frühzeitige palliativmedizinische Integration ist mit einer Reduktion potenziell nicht nutzbringender Therapien und einer verbesserten Versorgungsqualität verbunden. Die Arbeit leistet einen wichtigen Beitrag zur Diskussion therapiebezogener Entscheidungsprozesse am Lebensende und zur Weiterentwicklung interdisziplinärer Versorgung in der Palliative Care.
