Nachlese

Am Ende zu Hause! Zuhause am Ende?
Zwischen Gelingen und Überforderung – Interprofessionelle Perspektiven – Nachlese zum 9. Österreichischen Palliativtag, der am 16.10.2026 in Wien stattfand

Am 16. Oktober 2026 widmete sich der 9. Österreichische Palliativtag im Tech Gate Wien dem Wunsch vieler Menschen, die letzte Lebensphase zu Hause zu verbringen, und den Herausforderungen, die damit verbunden sind. Ob das gelingt, hängt davon ab, wie gut Betreuung organisierbar ist und wo Überforderung droht. In diesem Spannungsfeld beleuchteten Expert:innen aus Medizin, Pflege, Sozialarbeit, Seelsorge, Physiotherapie, Pharmazie und Psychologie das Thema aus interprofessioneller Sicht. Auch selbst betroffene Personen bzw. die Perspektive der Angehörigen wurden gehört. Ziel war es, praxisnahe Einblicke, neue Lösungsansätze und Impulse für die tägliche Arbeit zu vermitteln.

Palliative Care früh denken

Zeitgerechte Palliative Care begleitet Menschen mit fortschreitenden Erkrankungen und ihre An- und Zugehörigen kontinuierlich und bedürfnisorientiert über den gesamten Krankheitsverlauf, der mitunter Monate oder Jahre dauert. Neben der Symptomlinderung berücksichtigt sie psychosoziale, existenzielle und spirituelle Bedürfnisse sowie kulturelle und familiäre Werte. Besonders deutlich wurde, wie wesentlich bei Patient:innen mit Krebserkrankungen auch der Umgang mit Antitumortherapien und ein gemeinsamer Austausch unterschiedlicher Fachdisziplinen ist. Ebenso eindrücklich thematisiert wurde die Rehabilitation und ihr klarer Nutzen bis hin zum Lebensende.

Die Intelligenz der Gruppe

Anhand eines Beispiels wurde gezeigt, wie wichtig eine multiprofessionelle, kultursensible und familienorientierte Begleitung über verschiedene Versorgungssettings hinweg ist. Die Begleitung reicht über den Tod hinaus: Palliative Care umfasst auch die An- und Zugehörigen und ihren Trauerprozess.

Viele Schultern, ein gemeinsames Ziel

Für ein Sterben zu Hause ist eine breit gedachte Inter- und Multiprofessionalität entscheidend. Sie lindert nicht nur Symptome, sondern befähigt Betroffene, fördert relevante Alltagsaktivitäten und ermöglicht soziale Teilhabe. Die Begleitung am Lebensende muss deshalb auf viele professionelle Schultern verteilt werden. Auch das Zusammenspiel von stationärer Versorgung und Betreuung zu Hause muss eng abgestimmt sein. Eine stationäre Aufnahme kann Vorteile bringen, aber auch Risiken, vor allem für chronisch kranke und hochbetagte Menschen: Selbstständigkeit und Verbleib im eigenen Zuhause können leiden, Stichwort krankenhausinduzierte Dekonditionierung. Die Zeit der Selbstständigkeit und Selbstwirksamkeit soll so lange wie möglich erhalten, die Zeit der Abhängigkeit und Pflegebedürftigkeit so kurz wie möglich gehalten werden. Das ist aus Ressourcengründen entscheidend, vor allem aber, weil es die Lebensqualität der Menschen betrifft.

„Herzerl auf Haxerl“: Die Kraft der Gruppe

Berührend war der Bericht eines Ehemannes über den Tod seiner Frau, die ihr mobiles Palliativteam liebevoll „Herzerl auf Haxerl“ nannte. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion gaben die Vortragenden Einblick in ihre Wünsche für die Zukunft und zeigten die Kraft einer Gruppe, die zusammenwirkt. 

Miteinander kommunizieren, einander kennenlernen, sich etwas überlegen und Ideen für individuelle Situationen finden: Das war das Motto eines sehr inspirierenden Tages.