Assessmentbogen

Einleitung und Zielsetzung

Die AG Palliativsozialarbeit hat seit langem die Entwicklung eines Assessmentbogens für die Palliativsozialarbeit diskutiert und in den letzten zwei Jahren intensiv an der Umsetzung gearbeitet. Es wurden bereits bestehende Assessmentbögen, Anamneseblätter und Erstkontaktformulare gesichtet und daraus ein neuer Assessmentbogen konzipiert, welcher in einer Rückmeldungsschleife unter den Kolleg:innen aus den Bundesländern bearbeitet wurde. Die AG hat die Ergebnisse daraus zusammengeführt und den nun vorliegenden Assessmentbogen ausgearbeitet. Dieser wurde erstmals im April 2026 am OPG Kongress in Graz präsentiert. 

Der Assessmentbogen dient als professioneller Leitfaden und praxisnahes Tool für Sozialarbeiter:innen in mobilen, ambulanten und stationären Palliativsettings. Das Ziel ist eine strukturierte Erfassung der komplexen psychosozialen, sozioökonomischen sowie sozialrechtlichen Problemlagen aber auch Ressourcen von Patient:innen und deren An- und Zugehörigen. Des Weiteren dient er der Sichtbarmachung der spezifischen Fachkompetenz der Palliativsozialarbeit. Die Anwendung des Assessmentbogens in der Praxis verdeutlicht die massive Verdichtung von Problemlagen, die über die rein medizinische Diagnose hinausgehen. Der Assessmentbogen soll als grundlegendes Instrumentarium dienen, welches an den aktuellen Bedarf angepasst werden kann.

Zunehmende Fallkomplexität

  • Junge Patient:innen und deren minderjährige Kinder: alleinig obsorgeberechtigte Personen und Alleinerzieher:innen werden zum kritischen Interventionspunkt. Die finanzielle Absicherung und die psychosoziale Begleitung muss hier die gesamte Familienbiografie berücksichtigen, sowie Young Carers aktiv unterstützen. 
  • Berufliche Existenzangst: der Fokus verschiebt sich von der Pensionsberatung hin zur komplexen Sicherung von Kranken- und Rehabilitationsgeld oder der Absicherung bei plötzlichem Erwerbsausfall.
  • Fehlende Netzwerke: bedingt durch gesellschaftliche Individualisierung und Wohnortunabhängigkeit fehlen oft physisch präsente Bezugspersonen.
  • Überlastung der An- und Zugehörigen: die Berufstätigkeit der An- und Zugehörigen, die gleichzeitige Betreuung von Kindern und sterbenden Eltern führt zu einer Erschöpfung, die professionelle Beratung und Ersatzlösungen bereits in frühen Phasen der Erkrankung notwendig macht.
  • Zunehmende sprachliche Barrieren: der Anteil an Patient:innen mit keinen oder nicht ausreichenden Deutschkenntnissen nimmt zu. Dies erschwert die Begleitungen und Intervention. Die Involvierung von Dolmetschunterstützungen erhöht die Komplexität und den Zeitbedarf. Zusätzlich ergibt sich oft, dass minderjährige Familienmitglieder zur Übersetzung herangezogen werden und dies oft zu einer Überforderung führt.
  • Zunehmende Armut: Patient:innen können sich oft die Fixkosten wie Miete, Strom- und Heizkosten aufgrund der Erkrankung, oder schon davor, nicht mehr leisten. Armut wirkt hier als massiver Stressor, der die palliative Symptomlast verschlimmert.

Fachliches Resümee

Der Assessmentbogen der OPG dient nicht nur der Dokumentation, sondern ist ein Instrument zur Sichtbarmachung der Multimorbidität des Sozialen. Die Sozialarbeit reagiert auf eine Gesellschaft, in der traditionelle Sicherungssysteme, wie Familie und finanzielle Absicherung zunehmend abhandenkommen.

Die erhobenen Daten belegen, dass Palliativsozialarbeit heute verstärkt als Krisenmanagement und Existenzsicherung fungiert und eine frühzeitige Einbindung zwingend erforderlich ist.

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