Aufgrund des großen Interesses in den vergangenen Jahren veranstaltete die Österreichische
Palliativgesellschaft (OPG) am 29. Jänner dieses Jahres bereits zum vierten Mal ein Webinar,
das Einblick in die bisher gesammelten ASCIRS-Daten bot.
Die inhaltlichen Schwerpunkte wurden von der Präsidentin der OPG, Priv.-Doz.in Dr.in Gudrun
Kreye, MBA, von Dr. Michael Halmich, LL.M und DGKP Angelika Feichtner MSc gesetzt.
Neben der Präsentation der verfügbaren Daten und Entwicklungen sowie der Klärung
rechtlicher Fragen, ging es bei dieser Veranstaltung um die Reflexion der Praxis des
assistierten Suizids im Kontext von Palliative Care und den gegenwärtigen
Versorgungsrealitäten.
Die Beiträge zeigten deutlich, dass in der praktischen Umsetzung des assistierten Suizids
weiterhin erhebliche Herausforderungen bestehen. Thematisiert wurden unter anderem
Schwierigkeiten bei der Suche nach aufklärenden Ärzt: innen und abgebenden Apotheken,
insbesondere mit Blick auf regionale Unterschiede. Aber auch die Beurteilung der
Entscheidungsfähigkeit und rechtliche Fragen rund um die Totenbeschau sowie die
institutionellen Rahmenbedingungen in Pflegeheimen wurden erörtert.
Ein zentrales Thema war die oft enorme Belastung Angehöriger als hilfeleistende Personen.
Als medizinische Laien übernehmen sie Aufgaben, für die sie weder ausgebildet noch
emotional geschützt sind. Ohne professionelle Begleitung kommt es häufig zu massiver
Überforderung. Angehörige fühlen sich völlig allein gelassen und sie beklagen fehlende
Angebote einer Nachbetreuung.
Aufgrund dieser Berichte wurde die Notwendigkeit einer professionellen Begleitung
assistierter Suizide und strukturierter Trauer- und Nachsorgeangebote für Angehörige
hervorgehoben.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Einordnung des Todesfalls nach assistiertem Suizid und
den damit verbundenen Abläufen, insbesondere im Hinblick auf kriminalpolizeiliche
Maßnahmen, die eine zusätzliche Belastung der hilfeleistenden Angehörigen darstellen.
In den Wortmeldungen im Chat wurde wiederholt auf Fälle von belastender, unnötiger
Maximaltherapie hingewiesen sowie auf die Bedeutung einer frühzeitigen Integration
palliativer Betreuung. Der Ausbau von Hospiz- und Palliativstrukturen, sowohl im stationären
als auch im ambulanten Bereich wurde als wesentliche gesellschaftliche Aufgabe benannt.
Es wurde wiederholt betont, dass eine selbstbestimmte Entscheidung am Lebensende
untrennbar mit umfassender, kompetenter Information verbunden ist. Dazu gehören
insbesondere auch Kenntnisse über palliative Versorgungsmöglichkeiten, Symptomlinderung
und psychosoziale Begleitung. Mehrere Wortmeldungen von Teilnehmenden machten
deutlich, dass bestehende Lücken in Pflege, Medizin und im Sozialsystem
Entscheidungsprozesse maßgeblich beeinflussen können.
Mehrfach wurde auch auf fehlende Transparenz, die bislang unvollständige Erfassung
assistierter Suizide und das Fehlen einer klaren gesetzlichen Berichtspflicht hingewiesen.
Gefordert wurde daher auch eine Meldepflicht für alle assistierten Suizide, eine lückenlose
Dokumentation und Rechenschaftspflicht sowie die Publikation jährlicher Berichte, wie es in
anderen Ländern längst als Standard gilt.
Als bedenklich wurde Tatsache geschildert, dass der Verbleib von 379 nicht verwendeten
Präparaten aufgrund des fehlenden Monitorings völlig unklar ist. Inzwischen hat sich die
Anzahl dieser nicht verwendeten und nicht retournierten Präparate auf 415 erhöht.
Positiv hervorgehoben wurde die kostenfreie Beratung und Errichtung von Sterbe-
verfügungen durch die Patientenanwaltschaften und die Tatsache, dass es im nun vierten
Jahr des Sterbeverfügungsgesetzes keine Berichte über Komplikationen beim assistierten
Suizid mehr gibt.
Abschließend zeigten die zahlreichen Statements im Chat zur Medienberichterstattung über
assistierte Suizide, Begrifflichkeiten und gesellschaftspolitischen Dimensionen, dass der
assistierte Suizid ein hoch sensibles Thema bleibt, das differenzierte Information, ethische
Reflexion und fachliche Kompetenz erfordert.
Von Seiten der OPG wurde betont, dass schwer kranke und sterbende Menschen die
bestmögliche Fürsorge erfahren sollen, eine Fürsorge, in der mit Sterbewünschen
verantwortungsvoll umgegangen wird – und in der weder sterbewillige Personen, noch ihre
Angehörigen oder betreuenden Fachpersonen allein gelassen werden.
Das Webinar wurde von den Teilnehmenden als sehr informativ, transparent und
diskussionsfördernd bewertet. Viele äußerten den Wunsch nach Fortsetzung des Formats
und nach weiterem fachlichem Austausch.
