Nachlese

Mehr als 250 MitarbeiterInnen nahezu aller involvierten Professionen aus dem mittlerweile weiten Feld von Hospiz und Palliative Care haben sich zum 2. Österreichischen Palliativtag zusammengefunden.

Zum Gesamtthema „Psychiatrie in Palliative Care“ hat das Tagungspräsidium, bestehend aus Hilde Kössler, MMSc, Prim.a Dr.in Barbara Schreiber, MSc und Univ. Prof. Dr. Herbert Watzke, einen äußerst anregenden Kongresstag konzipiert. So spannte sich der Bogen vom Delir über psychotische Phasen mit Fremd- und Eigenaggression hin zu Depression und Demenz. Dies alles sind Themen großer Aktualität und hoher praktischer Relevanz. Das große Engagement auch in den jeweils den Blöcken nachfolgenden Diskussionen bestätigte die allgemeine Wahrnehmung, dass gerade der Umgang mit PalliativpatientInnen, welche an psychiatrischen Symptomen leiden, eine besondere Herausforderung für nahezu alle beteiligten Berufsgruppen bedeutet.

Man konnte erfahren, dass die Begriffe „sundowning“ und „sunrising“ besondere Spitzen in der Symptomatik deliranter PatientInnen ausdrücken. Und alleine schon Sätze wie „Im Rahmen des Delir besteht immer Angst“ (B. Schreiber) können als Take-home-messages positive spürbare Unterschiede in der Achtsamkeit für und Behandlung von PalliativpatientInnen mit sich bringen. Das Konzept der Tagungsleitung, jeweils an den Beginn eines Themas eine anschauliche PatientInnengeschichte zu stellen, ging voll auf, da sowohl die Referate als auch die Diskussionen dadurch sehr patientInnenorientiert blieben. Mit der Unterscheidung von „Depression“ und/oder „adäquater Trauer“ wurde ebenfalls ein praktisch äußerst relevantes Thema aufgegriffen und von mehreren Seiten beleuchtet.

Zusätzlich zu den Vorträgen gab es parallel stattfindende Praxisseminare zu „Komplementären Methoden“, zum „Spannungsfeld zwischen Sein-Lassen und Fürsorge“ oder zu „Suizidalität“, welche sich auch regen Interesses erfreuten.

Insgesamt war der 2. Österreichische Palliativtag eine spannende interdisziplinäre Veranstaltung mit vielen wichtigen Impulsen, spannenden Diskussionen und fruchtbaren Begegnungen quer durch alle Berufsgruppen und Fachrichtungen. Der am Zentrum für Palliativmedizin an der Universitätsklinik Köln tätige Psychiater Dr. Klaus Maria Perrar stellt am Ende eine insgesamt zukunftsweisende Empfehlung: „Sie müssen Dementisch lernen!“

Auch deshalb erscheint die Themenwahl für den am 18. November 2016 stattfindenden 4. Interdisziplinären Fachtag Palliative Care sehr passend: „Neurologie und Palliative Care“ - wozu ich schon jetzt herzlich einladen möchte! Anmeldung unter www.fachtag-palliative-care.at
                                    
Harald Retschitzegger