Kongressnachlese 2026

Das war der 9. Österreichische Interprofessionelle Palliativkongress 2026 in Graz

Der 9. Österreichische Interprofessionelle Palliativkongress 2026 in Graz, der von 23. bis 25. April im Congress Graz stattfand, stand unter dem Leitmotiv „Vielfalt verankern" und war mit über 1100 Teilnehmenden ein voller Erfolg.

Drei Tage lang bot die Veranstaltung einen intensiven Raum für fachlichen Austausch, kritische Reflexion und inspirierende Impulse zur Zukunft der Palliative Care. Diese Vielfalt spiegelte sich auch in der inhaltlichen Breite des Programms wider – von palliativer Onkologie bis hin zur Neuro-Palliative Care, von Herzinsuffizienz bis hin zur Pädiatrie, von Geriatrie bis hin zur Versorgung marginalisierter Gruppen wurden viele unterschiedliche Themen erörtert.

Im Mittelpunkt stand die klare Botschaft, dass Palliative Care nur interprofessionell gelingen kann – im echten Miteinander aller Haupt- und Ehrenamtlichen. Bereits die Eröffnungskeynote betonte die Bedeutung von Pflege als gestaltende Kraft und machte deutlich, dass sich Bedarf nicht nur aus Diagnosen, sondern aus der Differenz zwischen Ressourcen und individuellen Bedürfnissen ergibt. Führung wurde dabei als zentraler Faktor guter Versorgung hervorgehoben: Nicht als Zusatz, sondern als strukturelle Grundlage funktionierender Palliativarbeit. Wir erlebten einen Austausch zwischen den verschiedenen in der Palliative Care tätigen Menschen in Vorträgen, praxisnahen Workshops, Posterpräsentationen und interdisziplinären Diskussionsformaten wie den Mur-Gesprächen.

Weitere Beiträge griffen grundlegende Spannungsfelder auf, von Fragen der Ressourcengerechtigkeit über gesellschaftliche Dystopien bis hin zu ethischen Herausforderungen wie assistiertem Suizid oder dem Einsatz künstlicher Intelligenz in der Versorgung. Immer wieder wurde dabei die Notwendigkeit betont, den Menschen konsequent in den Mittelpunkt zu stellen und bestehende Errungenschaften wertzuschätzen, ohne den Blick für Weiterentwicklung zu verlieren.

In der Diskussion wurde deutlich, dass Vielfalt nicht nur ein theoretisches Konzept bleiben darf, sondern aktiv gelebt werden muss. Interprofessionelle Zusammenarbeit wurde als entscheidender Faktor für Halt, Qualität und gelebte Würde in der Versorgung sichtbar. Ein besonderes Zeichen setzte zudem das erstmals durchgeführte Studierendensymposium, das gezielt junge Menschen einband und die Bedeutung von Aus- und Weiterbildung für die Zukunft der Palliative Care unterstrich.

Der Kongress betonte die Bedeutung von Haltung, Authentizität und professioneller Nähe sowie die Erlaubnis, Emotionen im Versorgungsalltag Raum zu geben. Ein Anker für Schwerkranke und deren Umfeld zu sein, Anpassungsfähigkeit anzuerkennen und den Wert jedes Menschen sichtbar zu machen verdichteten die Botschaft des Kongresses. Neben diesen persönlichen und professionellen Aspekten wurden auch strukturelle Fragen der Versorgung thematisiert, etwa die Weiterentwicklung von Versorgungsmodellen und die Rolle ambulanter Angebote, die für eine nachhaltige und frühzeitige Verankerung von Palliative Care entscheidend sind.

Der Kongress unterstrich die menschliche Tiefe der Hospiz- und Palliativversorgung. Gleichzeitig zeigte sich, dass die weitere Entwicklung der Palliative Care nicht nur fachliche, sondern auch organisatorische und gesundheitspolitische Antworten erfordert.

Danke an alle, die dabei waren! See you in Bregenz zum 10. Österreichischen Interprofessionellen Palliativkongress von 27. bis 29. April 2028.